Vereinsheim, Törring, Schule

Vereinsheim Törring: Altes Schulhaus in neuem Glanz


Es ist so weit: Das neue Vereinsheim in Törring (Planung: Mißberger+Wiesbauer Architekten) steht und „strahlt“, wie Alfred Schupfner sagt. In der letzten Ausgabe haben wir noch die aktuellsten Baustellenfotos gedruckt. Jetzt sind auch die Außenanlagen mit Parkplätzen fertig, der Garten angelegt, Bauzaun und -wagen verstellen nicht mehr den Blick. Das angrenzende alte Gemeindehaus, das man früher auch „die kleine Schule“ nannte im Gegensatz zum Anbau der „großen Schule“, die 1963 als „das modernste Schulgebäude im Landkreis“ eingeweiht worden war, ist abgerissen. Auch wenn bei Redaktionsschluss Möblierung, Küchen- und Medienausstattung noch nicht komplett sind, der Bodenbelag im Keller noch gemacht werden muss – die Schließanlage ist installiert,, und jeder Verein kann in den kommenden Wochen „seine“ Räume so einräumen und einrichten, wie er’s braucht.

Die Entscheidung dafür, das alte Schulhaus umzubauen, anstatt ganz neu zu bauen, zahlt sich aus, meinen Alfred Schupfner und Wolfang Deinböck übereinstimmend. Nicht nur, weil ein Neubau weniger Quadratmeter und damit weniger Platz für die zahlreichen Vereine bedeutet hätte, weil man für den Umbau gute Zuschüsse erhalten hat und das ganze Unternehmen deutlich schneller zu realisieren war. Ganz wichtig ist vor allem, dass der Charakter des alten Hauses, das „historische Gesicht“, wie Schupfner sagt, unter der strahlend weißen neuen Fassade mit den neuen, für Lärmschutz und Wärmedämmung dreifach verglasten Fenstern erhalten geblieben ist. Ganz oben am Hang gelegen und weit ins Land zu sehen, prägt die Silhouette das Dorfbild mit. „Eine saubere Sache“, meint Wolfgang Deinböck anerkennend.

Schupfner und Deinböck sind alteingesessene Törringer. Der eine hat den Umbau als Tittmoninger Stadtrat (2014 bis 2020) miterlebt, der andere als Vorsitzender des Gartenbauvereins (2011 bis 2020). Gemeinsam sind sie hier Ende der 60er Jahre zur Schule gegangen. Erinnerungen kommen auf, wenn sie „de oide Schui“ anschauen. Zum Beispiel an den Lehrer und Schulleiter Martin Sedlbauer, der ab 1964 im alten, östlichen Teil der Schule seine Wohnung hatte und deshalb dort auch ein bisschen nach dem Rechten gesehen hat. Hausmeister gab es keinen. Sedlbauer war Jäger, da ging man Kastanien klauben, anstatt Hausaufgaben zu machen, „und da hast halt g’lernt, wie man ein Reh ausnimmt“, so Deinböck. Schupfner, der wie er 1971 von der Grundschule Törring abgegangen war, erinnert sich an die Einschulung seines eigenen Sohnes 32 Jahre später. Dabei fiel ihm auf: „Die Vorhänge waren noch die gleichen. Und gerochen hat’s auch noch genauso.“

Kindheitserinnerungen werden wach

Viele Törringer verbinden Kindheitserinnerungen mit dem alten Gebäude, das jetzt in neuem Glanz dasteht. Dass im Innenbereich die Treppe und der Bodenbelag im Eingang erhalten blieben und man draußen, wo früher ein Wasserbecken war, das alte schmiedeeiserne Geländer zur Abgrenzung des kleinen Gartens wiederverwendet hat, an das er sich noch genau erinnert, gefällt Deinböck: „Des macht an Sinn, mir g’foit’s.“ Einzig an den Anblick des Außenaufzugs mag er sich nicht gewöhnen. Seiner Meinung nach passt der nicht ins Bild. Und wenn man ihn schon baut, wegen der Barrierefreiheit, hätte er seiner Ansicht nach auch bis in den Keller gehen sollen – „da werden oft schwere Sachen rauf- und runtergeschleppt“.

Immerhin, in den ersten Stock und damit in die Probenräume der Musikkapelle und des Trachtenvereins und zu den Toiletten kommt man mit dem Aufzug jetzt barrierefrei. Der in Begleitung einer kleinen Maus gemütlich die Treppen hinauftappende Bär mit Schulranzen an der Wand innen neben der Treppe übrigens, der in der letzten SchauRein! noch abgebildet war, ist inzwischen übermalt. Das gemalte Vereinswappen im Eingangsbereich aber hat man erhalten und aufgefrischt.

Der Törringer Feuerwehrvorstand Reinhard Brandmaier ist zwar in Traunstein aufgewachsen und zur Schule gegangen, lebt aber seit vierzig Jahren hier und fühlt sich längst als Törringer. Er hat den Umbau als Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr Törring begleitet und war, da er unweit der Baustelle wohnt, während der Baumaßnahmen immer auch Ansprechpartner und manchmal „Schlüsseldienst“. Auch er ist mit dem Ergebnis des Umbaus sehr zufrieden: „Ein echtes Schmuckstück“ sei das Vereinshaus jetzt, darin seien sich auch anfangs kritische Stimmen einig. „Wichtig ist, dass jetzt alle Vereine im selben Haus untergebracht sind, und zum Feuerwehrhaus sind es nur ein paar Schritte. Bei uns überwiegt die Vorfreude.“

„Sehr zufrieden“ ist auch Alfred Schupfner mit dem neuen Vereinshaus und freut sich wie seine Kolleginnen und Kollegen von der Musikkapelle Inzing-Törring und vom Trachtenverein auf die ersten Proben im großen Saal im ersten Stock, „sobald Corona es zulässt“. Die feierliche Einweihung mit Gottesdienst und Tag der offenen Tür soll in jedem Fall Anfang September stattfinden. Wie groß das Rahmenprogramm wird – immerhin gibt es auch das 75jährige Gründungsfest des GTEV D’Heulandler Törring zu feiern – und ob auch die Patenkapelle „Banda Cittadina di Eraclea“ aus der Region Venezien wie geplant zum italienischen Abend kommen kann, steht noch in den Sternen. Noch hoffen die Törringer auf ein echtes Festwochenende.

Der Garten:

„Ein Schmuckstück für die ganze Dorfgemeinschaft“ (A. Schupfner) und ein wunderschönes Aushängeschild für Törring direkt an der vorbeiführenden Straße wird der Rosengarten sein, der zuletzt auf der Ostseite des Vereinsheims angelegt wurde. Hier, wo früher die Mieter des alten Gemeindehauses Gemüse anbauten, werden ganz besondere Rosensorten, Bodendecker und Stauden, die dem Ortsklima mit seiner besonderen Gartensituation entsprechend ausgesucht wurden, als Augenweide und „Insektentankstelle“ blühen. Die Struktur der Bepflanzung soll buntes Blühen und Duften übers ganze Jahr garantieren. Neben den Pflanzen erzeugen auch Kieswege wie in Bauergärten einen naturnahen, ländlichen Eindruck.

Bei einem Ortstermin mit Bürgermeister Andreas Bratzdrum und Peter Rubeck von der Planungsgruppe Straßer im Februar sagte Rosi Balleisen, Vorsitzende des Gartenbauvereins Törring zu, dass Verein und Dorfgemeinschaft nach den ersten beiden Jahren gemeinsam mit dem Bauhof die Pflege des Gartens übernehmen werden, soweit und solange es dem Verein und seinen Mitgliedern möglich ist. Bis dahin sorgt die Firma Kreuzer, die den Garten angelegt hat, dafür, dass alles richtig anwächst und gedeiht.

Die Schule Törring: Interessantes aus der Chronik

1777: erster Eintrag über eine Schule in Törring vom Dekanalamt.

1814: 32 Knaben und 21 Mädchen besuchen die Schule Törring. Die Lokalinspektion nennt das Schulzimmer in ihrem Bericht „gesundheitsgefährlich“.

März 1818: Eröffnung des ersten Schulhauses in der Dorfmitte, „nördlich vom alten Wirt“. „Als es fertig war, stellte man fest, dass es ein paar bayerische Haxen“ (Fuß) zu weit über die Hofmarkgrenze Törring-Tengling gebaut war, da ja diese mitten durch Törring hindurch ging.“ Der überstehende nordwestliche Teil musste abgerissen werden, das Haus (Mayerhoferanwesen) ist heute noch fünfeckig.

1878, Jahr der endgültigen Gemeindefestlegung: Bau des neuen Schulgebäudes (später „große Schule“ genannt) „in herrlicher Lage“ südlich des Pfarrhofes, „ein für damalige Verhältnisse prächtiges Schulhaus“, es enthält neben einem Schulzimmer zwei Lehrerwohnungen und die Gemeindekanzlei.

1902: Bau des zweiten Schulgebäudes („kleine Schule“) mit zusätzlicher Lehrerwohnung und Gemeindekanzlei; von da an zwei Klassenräume in zwei Schulhäusern: Oberabteilung (5. – 8. Klasse) mit ca. 60 Kindern im alten Gebäude, Unterabteilung (1. -4. Klasse) im neuen.

April 1963: Einweihung des Schulhauserweiterungsbaues nach fast einjähriger Bauzeit:
Das Walmdach des Schulgebäudes von 1878 wurde abgerissen und durch ein Satteldach ersetzt. An die „große Schule“ wurden in westlicher Richtung zwei Klassenzimmer angebaut. „Zusätzlich wurden moderne Klosettanlagen, Garderoben, ein Lehrerzimmer nebst Schulleiterbüro, eine zentrale Ölheizung, eine Schulküche und ein Werkraum geschaffen. Allgemeine Bewunderung finden die schöne Kunststeintreppe und die Vorhallen, ebenfalls Kunststein“ und „als modernsten Raum (…) ein Gruppenraum mit Verglasung“. Schulleiter Sedlbauer nennt die neue Schule „ein Kleinod“.

Ab 1966: Diskussionen über die Notwendigkeit einer Schulzusammenlegung mit Tengling und/oder Kay, evtl. auch Taching und Tettenhausen, wegen der Schulbusproblematik.

1969: freiwillige Gründung des vorübergehenden Schulverbands Taching, Tettenhausen, Tengling und Törring .

1978: Auflösung des Schulverbandes und Anschluss der Törringer an die Tittmoninger Schule im Zuge der Gebietsreform („Gemeindegrenzen sind auch Schulgrenzen“). Törring behält seine Schule vorerst noch, „bis in Tittmoning genügend Platz für alle Törringer Kinder ist.“
Mit der Eingemeindung entsteht im alten Törringer Gemeindeamt ein Feuerwehr-Unterrichtsraum. Auch andere Vereine nutzen ihn bei Bedarf.

1999: Musikkapelle und Trachtenverein richten in der ehem. Lehrerwohnung des alten Schulhauses Probenräume ein

2001: Renovierung der „großen Schule“: Isolierputz und Neuanstrich

Seit dem Schuljahr 2011/2012 gehen die Törringer Kinder in Tittmoning zur Schule. Die Törringer Schule konnte wegen des Geburtenrückgangs nicht mehr gehalten werden.

2013: Der Tittmoninger Stadtrat gibt eine Nutzungsuntersuchung für das Schulgebäude in Auftrag.

Mai 2015: Architekt Norbert Mißberger informiert den Stadtrat über die Alternativen für ein Vereinsheim Törring: Sanierung oder Neubau der Schule.

2018: Der Stadtrat Tittmoning billigt einstimmig die Entwurfsplanung zum Umbau des ehemaligen Schulgebäudes Törring in ein Vereinshaus.

Dr. Gerda Poschmann-Reichenau

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