Florianistube mit neuem Pächter wieder eröffnet

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Der neue Pächter der Florianistube, Lothar Richter (Mitte) gewährleistet den ­Fortbestand des Traditionslokals.

Die Traditionsgaststätte setzt auf Gemütlichkeit und heimische Küche.

Mindestens seit 250 Jahren befindet sich in dem Haus am Stadtplatz Ecke Stiftsgasse eine Gaststätte. In guten wie in schlechten Zeiten war sie Treffpunkt städtischer Bürger und Arbeiter, wegen der günstigen Lage am Herrenmarkt wurde sie auch von Fuhrleuten und Durchreisenden gern besucht. Viele Jahre bot sie auch Fremdenzimmer, konnte aber schließlich den gehobenen Ansprüchen heutiger Gäste nicht mehr gerecht werden. Als Restaurant mit heimischer Küche und als gemütliche Bierwirtschaft war sie aber immer beliebt. Darum war der Schrecken groß, als sie im September plötzlich, wegen Geschäftsübergabe, schloss.

Seit November ist die Gaststätte wieder geöffnet, wohltuend unverändert, auch das bewährte Personal konnte wieder gewonnen werden. Neuer Pächter ist Lothar Richter. Er ist vor 32 Jahren aus Dessau-Roßlau nach Tittmoning gekommen, hat als Maler bei verschiedenen Tittmoninger Handwerksbetrieben und einige Jahre in der Industrie gearbeitet, ehe er sich mit einem Hausmeister-Service selbständig machte. Nach gesundheitlichen Problemen war er auf der Suche nach einer Aufgabe mit weniger Leiter-Steigen und so konnte ihn Franz Helminger, schon länger Koch „im Floriani“, dazu überreden, die Leitung der Gaststätte zu übernehmen. Lothar Richter ist verheiratet, seine Frau hat ihn aus Dessau begleitet, aber erst in Tittmoning haben sie die Ehe geschlossen. Wirtin ist nicht ihr Traumberuf, sie bleibt weiter als Disponentin tätig, findet aber seine neue Aufgabe vielversprechend und macht ihm dazu Mut.

Wohltuend unverändert ist auch das Speisenangebot. Es gibt täglich wechselnde Hauptgerichte, nicht nur bayerische Schmankerl, sondern (wie das früher hieß) „gut bürgerliche Küche“, am Wochenende auch „was Besonderes“, etwa Hirschbraten, Steak oder Ganserl. Werktags gibt es zu Mittag ein Abo-Essen zu besonders günstigem Preis. Brotzeiten und kleine Gerichte sind nicht nur für Radlfahrer und Durchreisende in guter Auswahl geboten. Sonderwünsche wie z.B. Kinder- und Seniorenportionen, andere Beilagen, werden gern erfüllt, auch wenn sie nicht in der Karte stehen. Alle üblichen Sorten Bier kommen weiterhin von Hacker-Pschorr, das Helle wird vom Fass gezapft. Platz ist in der Wirtsstube und im Nebenzimmer jeweils für 35 Personen, im Sommer kommt ein Garten mit großen Sonnenschirmen für bis zu 80 Gäste dazu (wetterfeste Besucher harren auch bei Regen unter den Schirmen aus). Für Hochzeiten, Jubiläen und andere Anlässe werden nach vorheriger Absprache auch Bankette ausgerichtet, ebenso können größere Gruppen von Reisenden nach Anmeldung gut und zügig bedient werden. Der Gastbereich ist barrierefrei.

Geöffnet ist die Florianistube von Mittwoch bis Sonntag ganztägig ab 10 Uhr, abends so lang sich die Gäste wohl fühlen. Am Montag nachmittags und am Dienstag ganztägig werden die Einkäufe erledigt und Arbeiten in Küche, Gaststätte und Büro erledigt – aus Sicht der Gäste heißt das „Ruhetag“.

„Barrierefrei“ ist auch das Ambiente im Floriani, hier dürfen sich alle willkommen fühlen. Zu den Stammgästen gehören Leute aus allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Die Einheimischen sprechen selbstverständlich Bairisch, aber andere Dialekte sind kein Hindernis, stellt ein Fremder eine Frage, dann bemühen sich alle mit ihren Fremdsprachenkenntnissen um eine zufriedenstellende Antwort. Stadt und Land begegnen sich mit Respekt, politische Einstellungen werden akzeptiert und eher mit Neugier als mit pauschaler Ablehnung bedacht – weil es sich halt so gehört. Auch das ist wohltuend unverändert.

Josef Wittmann