Stadtkapelle Frühjahrskonzert
Beim Platzkonzert in Kirchheim drängte sich die Stadtkapelle im vergangenen Jahr witterungsbedingt unter dem Vordach zusammen.

Frühjahrskonzerte der Stadtkapelle Tittmoning

Die Frühjahrskonzerte der Stadtkapelle finden am Samstag, den 5. und Sonntag, den 6. April 2025 in der Schulturnhalle statt. „Die Frühjahrskonzerte sind der Höhepunkt unserer musikalischen Tätigkeit während des Jahres und bieten Gelegenheit, die große Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten eines Blasorchester zu präsentieren. Als musikalischer Leiter ist es mir wichtig, unserem Publikum die Vielseitigkeit der Stadtkapelle zu zeigen“, sagt Toni Geisberger. Vom „Einzug der Gäste auf der Wartburg“, der Ouvertüre aus der Wagner-Oper „Tannhäuser“, bis zum Western-Medley „Moments for Morricone“.

Bei den Stadtkapelle-Konzerten ist für jeden Geschmack etwas dabei, und man kann über die Vielseitigkeit nur staunen. Auf dem Programm stehen neben traditioneller Blasmusik wie dem Konzertwalzer „Mein Weg zu Dir“, der „Brinpolka“ und dem „Florentinermarsch“ sowie dem „Festmarsch op 452“ zum 200. Geburtstag des Walzerkönigs Johann Strauß im zweiten Teil des Konzerts Titel aus der modernen Blasorchesterliteratur: Das Medley „Golden Swingtime“ lässt die Stadtkapelle im Bigband Sound erklingen, mit „Baba Yetu“ ist sogar die Titelmusik des Computerspiels „Civilization IV“ vertreten, und zum Abschluss gibt es ein Medley der Band „Coldplay“. Im Solostück „The Story“ können der Tenorhornist Paul Wallner und der Trompeter Kilian Lex ihr Talent und Können vor einem großen Publikum zeigen.

Toni Geisberger

„Wir hoffen, dass für jeden musikalischen Geschmack ein Stück dabei ist und freuen uns auf zahlreichen Besuch. Für die Unterstützung bei den Frühjahrskonzerten bedanken wir uns herzlich beim Bauhof, bei der TouristInfo, beim Bürgermeister und bei der Schulleitung der Grundschule“, so Geisberger.

Highlights der Stadtkapelle im Sommer 2025

Auch sonst hat die Stadtkapelle noch einiges vor in diesem Jahr: Am 10. Juli ist sie auf Einladung der Stadt Laufen zu Gast bei den dortigen „Sommernachtskonzerten“ und am 13. Juli führt sie bei einer Matinee im Burghof gemeinsam mit den Kirchenchören von Tittmoning, Asten und Kirchheim unter der Leitung von Barbara Danninger die „Missa pro Pace“ auf. Daneben vertritt die Stadtkapelle die Stadt Tittmoning regelmäßig musikalisch bei diversen Musikfesten, begleitet Jahrtage der heimischen Vereine und umrahmt kirchliche Anlässe.

Insgesamt war die Stadtkapelle im Jahr 2024 im Auftrag der Stadt, der heimischen Vereine und der Pfarrkiche dreißigmal in großer Besetzung und zehnmal mit kleineren Ensembles im Einsatz. Dafür wurden rund vierzig Proben abgehalten. Das Engagement der Musikerinnen und Musiker verdient höchsten Respekt.

Junges Gebläse der Stadtkapelle Tittmoning
Das „Junge Gebläse“ beim Jugendtag 2022 in Leobendorf (50 Jahre MK Leobendorf)

Das „Junge Gebläse“

Die Jugendarbeit der Stadtkapelle ist seit Jahren in besten Händen bei Brunni Demm-Geisberger. Sie führt im „Jungen Gebläse“ die jungen Leute an die musikalischen Anforderungen der Stadtkapelle heran und sorgt so für den nötigen Nachwuchs bei der städtischen Blaskapelle.

Zu den Frühjahrskonzerten der Stadtkapelle steuern die Jungmusiker immer ein eigenes kleines „Set“ bei. Auch beim Colloredomarkt, beim Stadtfest und auf dem Bauernmarkt oder im Advent gibt es immer wieder kleine Auftritte. Seit der Corona-Pandemie hat das „Junge Gebläse“ zweimal im Rahmen der Platzkonzerte je eine Stunde beim Frühschoppen in Kirchheim gespielt. Aber ein eigenes Konzert zu gestalten und damit im Burghof aufzutreten, ist nochmal eine ganz andere Herausforderung. Das war zuletzt für den Sommer 2020 geplant, doch dann kam die Pandemie….

Das Junge Gebläse freut sich nun um so mehr auf die „Burghofserenade U25“ am Sonntag, den 15. Juni um 19 Uhr. Das „Junge Gebläse“ wird zusammen mit Jungmusikern der Stadtkapelle (U25) aus dem reichhaltigen Repertoire, das sich im Laufe ihrer Tätigkeit als musikalische Leiterin des Nachwuchses bei Brunni angesammelt hat, ein buntes und sicher kurzweiliges Programm präsentieren – bei jedem Wetter, weil bei Regen der Scheibensaal als Ausweichspielstätte zur Verfügung steht.

Jugendarbeit bei der Stadtkapelle

Anders als bei den Erwachsenen, wo das Ensemble über lange Zeit zusammenwächst und einzelne Ensemblemitglieder eine Kapelle über Jahrzehnte prägen können, lebt die Jugendmusik damit, dass ihre Besetzung sich ständig wandelt. Die Jungmusiker wachsen in eine Kapelle hinein und nach ein paar Jahren wieder hinaus. Die musikalische Leitung ist oft die einzige Konstante, die über mehrere Jahre hinweg gleichbleibt. Beim „Jungen Gebläse“ ist es seit 2008 Brunni Demm-Gesiberger. „Die mir gegenübersitzen, wechseln regelmäßig und in kurzen Abständen – das ist sehr herausfordernd, weil sich auch die Zusammensetzung des Ensembles ständig ändert“, erklärt sie. „Momentan haben wir ein gut sortiertes tiefes Register, genügend Trompeten und Schlagzeuger, aber bei den Holzbläsern, also Flöte, Klarinette und Saxophon, dürften es deutlich mehr sein.“

Stücke, die sie mit früheren Besetzungen eingeübt hat, sind heute zum Teil nicht mehr spielbar, weil die Stückwahl sich an den vielen Flöten und Klarinetten orientierte, die heute nicht mehr zur Verfügung stehen. Insofern stellt manchmal schon die Zusammenstellung eines halbstündigen Programms eine Herausforderung dar, zumal wenn auch noch einzelne Jungmusiker am Tag des Auftritts verhindert sind.

Die jungen Musikerinnen und Musiker stehen zwar noch nicht im Berufsleben mit seinen Einschränkungen und Verpflichtungen – sind aber schulpflichtig, in eine Familie eingebunden und können über ihre Zeit nicht frei verfügen. „Manchmal denke ich, die Jungen sind noch mehr eingebunden als Erwachsene: Landschul- und Skiwochen, abendliche Schulveranstaltungen, Praktika, mehrwöchige Klassenfahrten ins Ausland, vom ganz normalen Schulaufgabenstress mal abgesehen. Und dann gibt’s ja auch noch Ausflüge mit der Familie und Familienfeiern. Das reißt immer wieder Lücken in die Formation, sowohl in den Proben als auch bei Auftritten.“

Was in der Jugendmusik ebenfalls zum Tragen kommt, sind die teils enormen Unterschiede in der musikalischen Entwicklung: Da sitzen blutige Anfänger neben schon routinierten Jungmusikern. Einerseits können sie sich gegenseitig fördern, andererseits gilt es aber auch, eine Balance zu finden: „Die einen sollen nicht überfordert werden, um sie nicht zu frustrieren, die anderen nicht unterfordert, damit sie sich nicht langweilen.“ Beides wäre unter Umständen ein Grund dafür, dass sie ganz wegbleiben. Das Hobby soll ja Spaß machen.

Für ihre Arbeit muss sie sich auch bewusstmachen, dass bei den jungen Leuten oft die endgültige Entscheidung zugunsten der Musik noch gar nicht gefallen ist: Ministrieren, Feuerwehr, Sport- und Trachtenverein, Reiten… Es gibt viele Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen, und viele Kinder und Jugendliche haben verschiedene Begabungen und Neigungen. „Überall wird die Jugend animiert, mitzumachen, von allen werden die jungen Leute umworben.“ Jugendliche seien vom Freizeitangebot heutzutage eher überfordert – „und da spreche ich noch gar nicht von den digitalen Angeboten.“

Brunni Demm-Geisberger

A propos, meint Brunni an die Eltern gewandt: „Musik ist Handy-freie Zeit“! Das Musizieren ist ihrer Erfahrung nach in besonderer Weise geeignet, den jungen Menschen beim Zentrieren zu helfen: „Man findet eine Mitte, wenn man sich auf Instrument, Noten, Dirigent und das Miteinander konzentriert. Das ist auch Teamplay ohne Fouls und ohne Verletzungsgefahr.“ Außerdem ist zwischen den Musizierenden, der Kapelle und ihrem Publikum kein Medium, das ist Interaktion live. „Das war ganz besonders bei unserem Auftritt vor Weihnachten im Altenheim zu spüren: Die Anwesenden haben mitgesungen und sich mit lustigen Bemerkungen beteiligt. So etwas ist für Jugendliche heute keine Selbstverständlichkeit mehr.“

Ein letztes Argument von Brunni für die Jugendmusik: Es gibt keine Reservebank. Nicht jede und jeder wird einmal zum Solisten, aber im Klangkörper einer Musikkapelle ist jede und jeder wichtig. „Der Erfolg bei Auftritten ist nicht nur für Solisten spürbar, sondern für alle, die mitspielen.“

Mit „ihren“ Jungmusikern ist Brunni insgesamt sehr zufrieden: „Die Probenarbeit ist seit Jahren ziemlich gut. Die Kids kommen diszipliniert zu den Proben. Für mich, die ich vorne stehe, gilt es, jedes Jahr mit neuen Charakteren klarzukommen. Hier sind die stillen Kandidaten, die sich nie outen; da die dominanten, selbstbewussten, die meine ganze Aufmerksamkeit fordern. Wer gibt gern den Clown? Wer will nicht vor anderen angesprochen werden? Wie viel Lob ist notwendig und gerechtfertigt? Wo liegen die Stärken jedes einzelnen, nicht nur musikalisch? Ich stehe da vor jungen Menschen, die gerade einen der wesentlichsten Lebensabschnitte durchmachen, vom Kind zum Erwachsenen“, ist sich Brunni bewusst. Wobei sie, wie sie sagt, die Pubertät ihrer Schützlinge eigentlich nie zu spüren bekommt: „Das spielt sich wohl zu Hause ab.“

Dr. Gerda Poschmann-Reichenau