Nach mehr als eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit sind die Macher der Ausstellung „Free Again!“ über die Rolle der Tittmoninger Burg als Kriegsgefangenen- und Internierungslager während der Jahre 1940 bis 1945 fast am Ziel. Die Exponate im Fürstenstock der Burg und im Scheibensaal sind platziert, die Vorbereitungen zur Eröffnung am 4. Mai laufen. Bei einer Pressekonferenz im Rathaussaal gab es jetzt zum ersten Mal nähere Einblicke in dieses umfassende und hochinteressante Projekt.
Die Initiative dazu kam von Stadtheimatpfleger Manfred Liebl, der erstmals vor mehr als zehn Jahren mit dem Thema konfrontiert wurde und schon zum 70. Jahrestag der Befreiung einen Vortrag darüber gehalten hat. Den Anstoß gab die Begegnung mit dem in Prag lebenden Historiker Dr. Thomas Oellermann, erste Unterstützung und Unterlagen erhielt Liebl auch vom damaligen Vorsitzenden des Historischen Vereins Laufen, Sieghart Schwedler. Als Ausgangspunkt für das Kernteam, dem außer ihm Stadträtin Ute Sesselmann sowie die Gästeführerinnen Gitti Popst und Renate Würzinger angehören, diente u.a. ein Aufsatz von Fritz Schmitt.
Die Recherche-Arbeit des ersten Jahres führte zu Archiven in aller Welt, u.a. in die USA mit dem United States Holocaust Museum in Washington und dem Museum of Jewish Heritage in New York, nach Jerusalem, Genf und Den Haag. In bisher ca. 2000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurden Detailinformationen zu den Schicksalen von 23 ausgewählten in Tittmoning Inhaftierten gesammelt, aufbereitet und anschaulich zusammengestellt. Das Hauptanliegen der Ausstellung ist es, den damaligen Gefangenen ein Gesicht und eine Stimme zu geben – daher auch der Untertitel „Prisoners of War erzählen“: „Die Menschen sind uns das Wichtigste“, betont Manfred Liebl.



Gegliedert ist die Ausstellung chronologisch und folgt damit den verschiedenen Phasen des Lagers in Tittmoning: Von 1940 bis 1941 war die Burg belegt mit ca. 300 britischen Offizieren, von 1942 bis 1944 mit bis zu 370 zivilen Internierten. 1944 und 1945 brachte man rund 300 niederländische Offiziere hier unter, und zuletzt war im April 1945 noch eine Gruppe prominenter Gefangener in Tittmoning, die als „Geiseln“ für besondere Austauschaktivitäten vorgesehen waren. Insgesamt wurden in der Burg über die fünf Jahre bis zur Befreiung knapp tausend Menschen gefangen gehalten.
Auf dreißig Tafeln im Fürstenstock der Burg werden bis 3. Oktober Fakten und Daten zur Lagergeschichte kombiniert mit Informationen zu ganz persönlichen Einzelschicksalen. Historische Objekte, teils Leihgaben aus anderen Museen, und Filmmaterial ergänzen die Schautafeln. Darüber hinaus werden auch die Außenanlagen und der Scheibensaal der Burg, ehemals ein Schlafsaal der Gefangenen, in die Ausstellung einbezogen.

Bürgermeister Andreas Bratzdrum würdigte bei der Pressekonferenz die fast zweijährige intensive Arbeit der Beteiligten und dankte ihnen für ihr Engagement. Ihnen sei es gelungen, dieses bisher weitgehend unbekannte Kapitel der Burg Tittmoning aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Der Öffentlichkeit wird die Sonderausstellung aus Anlass des 80. Jahrestags der Befreiung der Burg in diesem Jahr von Mai bis Anfang Oktober zugänglich gemacht.
Die Tittmoninger Gästeführer bieten nach der feierlichen Eröffnung, die am Samstag, den 4. Mai um 14 Uhr 30 im Burghof stattfindet, Führungen für Gruppen und Schulklassen durch die Ausstellung an, für Gäste aus dem Ausland auch in englischer Sprache. Das Begleitprogramm mit Lesung, Konzerten, Tanz und Theater orientiert sich an den gut dokumentierten künstlerischen Aktivitäten, die den Menschen während ihrer Gefangenschaft halfen zu überleben. Unter ihnen waren namhafte Jazzmusiker, der Maler Josef Nassy und der britische Schauspieler Michael Goodliffe – auch über sie sind hoch interessante Details ab 4. Mai in der Ausstellung zu erfahren. Bis dahin gibt die Website der Ausstellung neben praktischen Informationen eine erste Orientierung über die Lagerphasen und das Begleitprogramm.
Stadt Tittmoning