Fair Trade Tittmoning

Fair Trade sichtbarer machen

Lahmlegen ließ sich die Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Tittmoning durch Corona nur zu Anfang. Der Josefimarkt 2020 fiel aus und damit auch die schon vorbereitete Ausstellung zum Thema Textilproduktion mit der ersten Tittmoninger Kleider-Tausch-Party. Im Fridolfinger Naschmarkt hatte das Team vom Eine-Welt-Laden schon öfter mitgeholfen bei dieser Veranstaltung, die weg von Konsum- und Wegwerfgesellschaft hin zu einer ressourcenschonenden Wiederverwertung von Kleidungsstücken durch Tausch führen will. Beides hätte gut zum Thema „Wasser“ gepasst, unter dem der Josefimarkt letztes Jahr geplant war, denn es ist unter anderem der Wasserverbrauch bei der Herstellung, der den massenhaften Konsum von Textilien so belastend für die Umwelt und dadurch natürlich für die Menschen in den Herkunftsländern macht.

Wie andere Gruppen und Vereine auch, so hofften die Aktiven zunächst, nach einer kleinen Pause könne man sich bald wieder treffen. Ausstellung und Kleidertauschparty wurden auf den Kathreinmarkt im Herbst, dann auf den Josefimarkt 2021 verschoben. Aber weder Märkte noch die Zusammenkünfte der Gruppe durften bislang wieder stattfinden.

Inzwischen auf digitale Besprechungen umgestiegen, konnte die Steuerungsgruppe seither dennoch einiges an Projekten umsetzen. Einem Treffen mit Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum folgte der Entwurf für einen „Rathaus-Kaffee“ aus fairem Handel, der künftig das Sortiment der Tittmoninger Ortsteile-Kaffees ergänzt und in den Präsentkörben der Stadt oder als Gastgeschenk des Bürgermeisters das Engagement der Fairtrade-Stadt noch sichtbarer macht. Die Pächter der Strandbadgaststätte „Wildfang“ und des Burgcafés haben sich dem Kreis der Tittmoninger Fairtrade-Akteure zugesellt. Sie haben u.a. Kaltgetränke, Eis und Kaffee aus Fairem Handel im Angebot. Schließlich entsteht zum individualisierten Fairtrade-Logo der Stadt derzeit eine neue Version.

Da es pandemiebedingt keine Möglichkeiten gab, auf öffentlichen Veranstaltungen für die Fairtrade-Idee zu werben, wählte die Steuerungsgruppe einen anderen Weg: Schaufenster am Stadtplatz. Der Tittmoninger Eine-Welt-Laden, dessen 25. Geburtstag im vergangenen Jahr nur sehr still gefeiert werden konnte, ist derzeit im Fenster der Tourist Info im Rathaus mit einer Produktauswahl präsent. Zur Fashion Revolution Week Ende April wurden zwei Schaufenster des ehemaligen Bekleidungsgeschäfts Polster in der Hartlgasse mit anschaulichen Informationen zum Thema Kleidung bestückt. So kam es doch noch zu der Ausstellung, die schon für Frühjahr 2020 geplant war.

Gegen den „Fast fashion“-Trend, ständig neue Kollektionen billig produzierter „Wegwerf-Mode“, will die Steuerungsgruppe auf Missstände in der Textilindu­strie hinweisen und anregen, den eigenen Kleiderkonsum zu hinterfragen: Wer produziert wo die Kleidung, die wir tragen? Wie werden die Menschen dort dafür bezahlt, wie sind ihre Arbeitsbe­dingungen? Welche Folgen hat die Modeproduktion für die Umwelt? Gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur ruft die Gruppe dazu auf, die Macht der Konsumentinnen zu nutzen. Unter dem Motto „fair statt mehr“ soll beim Kauf von Kleidung auf nachhaltige Produktion und Fairen Handel geachtet werden.

Dabei helfen Kennzeichnungen wie das „Fairtrade“-Siegel des gemeinnützigen Vereins TransFair, das internationale GOTS-Siegel („Global Organic Textile Standard“, entwickelt vom IVND zusammen mit Partnern in Großbritannien, den USA und Japan) oder der 2019 als staatliches Siegel für nachhaltige Textilien eingeführte „Grüne Knopf“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Solche Siegel stellen verbindliche Anforderungen an den Schutz von Mensch und Umwelt bei der Textilproduktion. Die Mitglieder der unabhängigen Stiftung Fair Wear Foundation wiederum, einer europäischen Initiative, die sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzt, verpflichten sich, die acht FWF-Arbeitsnormen in der Lieferkette umzusetzen. Diese basieren auf den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, schließen ausbeutende Kinderarbeit und Diskriminierung bei der Beschäftigung aus und garantieren neben einem existenzsichernden Lohn eine Begrenzung der Arbeitszeit, einen rechtsverbindlichen Arbeitsvertrag, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen.

Ein Must-Have zur „Sommer-Sää-son“:

Das Fairtrade-T-Shirt zum Leitgeringer See GOTS- und FairWear-zertifiziert und „Peta Approved Vegan“, also frei von tierischen Inhaltsstoffen, ist das neue T-Shirt für alle Fans des Leitgeringer Sees, das die Steuerungsgruppe zur Badesaison (die man künftig wohl „Sää-son“ schreiben muss) vorstellt. Die Herstellerfirma Stanley/Stella setzt seit ihrer Gründung 2012 auf Nachhaltigkeit und verwendet nur 100% organische Baumwolle aus Indien sowie, wo Polyester notwendig ist, recyceltes Material. Unabhängige Zertifizierungen bürgen für umwelt- und ressourcenschonende Produktion, die FWF bescheinigt der Firma „best practice“ in der sozialen Verantwortung. Für größtmögliche Transparenz veröffentlicht Stanley/Stella die Namen und Kontaktdaten aller Lieferanten, gegenwärtig fünf Partnerfabriken in Bangladesch und eine in China, mit denen das Unternehmen solidarische, langfristige und kooperative Beziehungen aufbaut.

Fair Trade, Tittmoning

Motiv für die Tittmonger Sää-Shirts von Norbert Köpferl

Das aufgedruckte „Sää“-Motiv stammt aus der Feder von Norbert Köpferl, der dafür das Logo des AK Seebad verwenden durfte. Den digitalen Direktdruck übernahm – wie schon bei den fair gehandelten Dienst-Polohemden der TI im Rathaus – die Firma Oberlandla aus Lenggries mit wasserbasierten und biologisch abbaubaren Druckfarben. Sie sind frei von Lösungsmitteln und gefährlichen Schadstoffen, erfüllen die Oeko-Tex 100- sowie GOTS-3V-Standards und sind garantiert ohne tierische Bestandteile und niemals an Tieren getestet worden („vegan-friendly“). Den Strom zur Produktion bezieht die Druckerei aus zu 100% erneuerbaren Energiequellen. Das Sää-Shirt sieht also nicht nur super aus, sondern ist noch dazu nachhaltig in jedem Sinne: lange haltbar, ökologisch, hautverträglich und aus Fairem Handel. Wer es trägt, bekennt sich zu Heimatverbundenheit und globaler Verantwortung – was will man mehr?

Zu kaufen ist das „Sää-Shirt“ an der Kasse des Städtischen Strandbads am Leitgeringer See und in der Tourist Info im Rathaus zum Preis von 19 €. Ein eventueller Reinerlös aus dem Projekt, das die Stadt Tittmoning vorfinanziert, wird einer Initiative für Fairen Handel zu Gute kommen.

Ein passendes Lied zum T-Shirt gibt es übrigens auch schon: Das Duo Tudo Tranquilo wird den „Sommer-Sää-Song“ bei seinem kulinarischen Platzkonzert am Leitgeringer See am 30. Juli zu Gehör bringen. Da gibt es dann auch einen Sonderverkauf für alle, die bis dahin noch kein Sää-T-Shirt haben.

Über das neue T-Shirt freuen sich (v.l.n.r.) Tittmonings Erster Bürgermeister Andreas Bratzdrum, Ute Sesselmann vom AK Seebad sowie Getraud Nachbichler und Norbert Köpferl von der Tittmoninger Fairtrade-Steuerungsgruppe

Dr. Gerda Poschmann-Reichenau

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