Stadtapotheke hat zweihundertsten Geburtstag

Stadtapotheke Geburtstag

In allen Zeiten verlässliche Hilfe bei gesundheitlichen Nöten

Ein bürokratischer Akt steht am Anfang, die „Bewilligung einer ordentlichen Apotheke“ im Namen des Königs von Baiern. Diese wurde am 26. Juli 1821 erteilt. Das Dokument ist im Original erhalten, eines der Erinnerungsstücke, die der zweckmäßigen Ausstattung mit neuester Technik und höchsten Ansprüchen an Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Versorgung zum Trotz erhalten geblieben sind.

Die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung ist dem Staat immer schon ein wichtiges Anliegen. Wie eine Apotheke heute zu funktionieren hat, ist im „Gesetz über das Apothekenwesen“ und in der darauf beruhende Apothekenbetriebsordnung bis in die Details geregelt. Anders als in anderen Ländern ist in Deutschland der Verkauf von Medikamenten nicht einfach ein Gewerbezweig, der sich nach wirtschaftlichen Prioritäten richtet, sondern eine Aufgabe, die nach strengen Vorschriften und mit persönlicher Verantwortung zu erfüllen ist.

Dokumentierte Bedeutsamkeit – die Bewilligungsurkunde im Wortlaut:
Im Namen seiner Majestät des Königs von Baiern. Vom Landgerichte wird auf Bericht vom 18. Juni des Jahres im bezüglichen Betreff folgende Entscheidung erteilt: Nachdem das Bedürfnis einer ordentlichen Apotheke für das Landgericht Tittmoning hinlänglich nachgewiesen ist und der Umwandlung der realen Badergerechtigkeit, welche der medizinal Chyrurg zu Tittmoning, Michael Wild besitzt, kein wesentliches Hindernis im Wege steht, so wird diese Umwandlung gegen Einziehung der Badergerechtigkeit hiermit bewilligt.

An Onlinehandel gewohnte Zeitgenossen mögen das für „alten Zopf“ halten und ihre Medikamente bei international agierenden Plattformen wie DocMorris ordern. Anders als bei Büchern und modischer Kleidung geht es bei der Apotheke aber um lebenswichtige Arzneimittel, die in der richtigen Dosierung und rechtzeitig verabreicht werden müssen. Darin ist die örtliche Apotheke deutlich überlegen. Moderne Logistik sichert kürzeste Reaktionszeiten, kostenlose Lieferung frei Haus wird auch von der Stadtapotheke vorgenommen. Die Zeiten, als Medikamentenlieferungen per Bahnexpress ankamen, sind lang vorbei.
Darüber hinaus kennt sich jede Apothekerin, jeder Apotheker mit Wirkstoffen genau aus und kann in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten Risiken erkennen und beratend eingreifen. Sie können in dringenden Fällen sehr schnell helfen. Sie können fragwürdige Selbstmedikation („hat der Nachbarin auch geholfen, jetzt probiere ich das mal“) vermeiden und bei ernsthaften Beschwerden zur gründlichen Untersuchung in der Arztpraxis raten.

Die Apotheke ist mit ihrem Labor auch dafür eingerichtet, Medikamente genau nach Rezeptur selbst herzustellen. Bei der enormen Vielzahl fertiger Präparate der Arzneimittelindustrie spielt die Eigenherstellung eine untergeordnete Rolle, aber gerade bei Homöopathischen Arzneien und bei der Herstellung von Salben, Zäpfchen und Lösungen mit besonderer Wirkstoffkonzentration sowie bei Naturheilmitteln, auf die manche Heilpraktiker spezialisiert sind, ist das eigene Labor unverzichtbar.

Der wichtigste Vorteil der Apotheke ist das Vertrauen der Kundinnen und Kunden. Damit sind wir bei der Tradition: Eine Apotheke, die sich seit so vielen Generationen für die Bewohner von Stadt und Umland mit verlässlichen Diensten bewährt hat, wird geschätzt und die biedermeierlich gediegene Möblierung des Ladenbereichs wird als wohltuend heimelig empfunden.
Die Geschichte der Stadt­apotheke ist in allen Einzelheiten überliefert und dokumentiert. Apotheker Fritz Schmitt war im Nebenberuf ein rühriger Museumsleiter und wandelndes Lexikon der Tittmoninger Vergangenheit. Alle Inhaber, Pächter und Provisoren, die in zwei Jahrhunderten hier Dienst getan haben, finden Sie daher nachfolgend in der Tabelle. Inhaberin Susanne Schuster setzt seit 2017 die Tradition mit Freude fort und ist stolz darauf, mit ihrem Team der Stadtapotheke eine Zukunft zu sichern.

An das Jubiläum wird im Juli eine Auswahl an Dokumenten und Gegenständen im Schaufenster erinnern und die Vergangenheit aufleben lassen. Für eine Geburtstagsparty ist die Pandemie-Situation immer noch zu gefährlich – „Superspreader Event in der Apotheke“ wäre die schlechteste Werbung, die man sich denken kann.

200 Jahre Stadtapotheke – Namen und Jahreszahlen

DatumNameBerufStellung
26.07.1821Michael WildMed. ChyrurgGründer
24.01.1823Franz Sales BeckPharmazeutProvisor
10.07.1823Karl L. SensbergApothekerangestellt
26.10.1826Max Sonner1ApothekerInhaber
01.04.1861Ludwig Sonner2ApothekerInhaber
16.05.1890Egid ReblApothekerInhaber (Kauf)
04.11.1892Johann B. SpäthApothekerInhaber (Kauf)
09.12.1903Gustav und Walburga RauchHauseigentümer (Kauf)
26.07.1912Theodor SchmittApothekerInhaber (Kauf)
21.07.1928H. HerrmannApothekerVertreter3
01.10.1928H. KettApothekerVerwalter
01.02.1930H. EimerApothekerVerwalter
01.10.1930H. HelmerApothekerVerwalter
01.06.1936H. MerzApothekerPächter
01.08.1938Anton KleinApothekerPächter4
01.09.1941Max u. Josefine ReubelApotheker/inPächter
01.10.1951Franz FlaigApothekerPächter
28.09.1956Annelies Schmitt und Fritz SchmittApothekerinInhaber
01.01.1990Gottfried BreindlApothekerInhaber5
01.09.2017Susanne SchusterApothekerinInhaberin

1 Ehemann von Magdalena Wild, Tochter v. Josefa und Michael Wild – 2Sohn – 3Nach dem Tod von Theodor Schmitt – 4Ehemann von Kathinka Schmitt – 5Ehemann von Sabine Schmitt

Josef Wittmann

Zurück zur Hauptseite

Cookie Consent mit Real Cookie Banner